Alles digital?

Gestern erst wieder war einer dieser hübschen Briefumschläge eines bekannten Schulbuchverlages in der Post – Kaminanzünder par exellence. Aber na gut, ein Blick kann nicht schaden (Die Frage, warum der abonnierte Newsletter des selben Verlages nur einen Bruchteil an Informationen enthält, möchte ich gar nicht nachgehen, der damit einhergehenden Papierverschwendung…..ach lassen wir das!)

Ich öffne also mehr oder weniger neugierig den Briefumschlag, aha, neue Biobücher, neue Auflagen – Kamin! Moooment! Da unten, enndlich der erlösende Hinweis: Unser Lehrbuch jetzt auch als ebook.

Großartig, mein Rücken, mein iPad, ach einfach alles. Das muss ich haben.

Weit gefehlt, denn das digitale Angebot ist nur in Verbindung mit der Printausgabe erhältlich.

Ich will schreiend davonlaufen, der Schnee und mein Mittagessenshunger verbieten es mir. Warum in aller Welt muss ich ein gedrucktes Buch kaufen, wenn ich ein eBook will? Nur damit wir uns nicht falsch verstehen, ich liebe Bücher, bei mir stehen meterweise Romane, und ja ich bin da so altmodisch. Bücher haben eine Geschichte – nicht nur die zwischen den Buchdeckeln, sondern auch die Geschichte mit mir, nur ich und das Buch. Die Geschichte von dem muffigen kleinen Antiquariat in London, an dem Tag als es so schrecklich geregnet hat, und ich in dem Pub gegenüber der National Gallery…

Kurzum, ich hänge an meinen Büchern, aber doch bitte nicht an meinen Schulbüchern. Die verstopfen meine Schultasche, sind immer zu schwer und vergessen tu ich sie auch die halbe Zeit, weil ich meinen Stundenplan mal wieder falsch gelesen habe. (Und jetzt sagt nicht, dass sei euch noch nie passiert…)

Was wäre es ein Traum, alle relevanten Bücher auf meinem iPad (Kindle, wasweißich….) dabei zu haben. Und ich meine jetzt nicht nur die Bücher mit den paar Buchstaben, ich meine zum Beispiel ein Arbeitsbuch, wie es sie seit iBooks2 schon länger für den englischsprachigen Markt gibt, echte Multimediawerke eben. Lernen mit ein paar mehr Sinnen, als die, die man zum wahrnehmen des geschriebenen Wortes benötigt.

Immer noch nicht überzeugt? Wie wäre es dann mit dem Argument, dass meine Schüler nicht mehr an einem (schulbuchmäßig schweren) Tag Physik, Bio und Chemiebuch schleppen müssen.

Genug aufgeregt. Mit einem kleinen Blick auf #didacta (@HerrLarbig twittert Aufschlussreiches) wird schnell klar, dass weder deutsche Schulbuchverlage noch eine kritische Masse Kollegen so schnell vom geliebten Schulbuch wegkommen und die Chancen der „bösen“ Tabletcomputer und Smartphones erkennen.

Solange deponiere ich eben einen Satz Bücher in der Schule und einen am Schreibtisch und gebe Acht, dass mein iPad nicht mit Kreide zustaubt.