Petition beim Landtag Rheinland-Pfalz

Liebe Leser,

der Ärger über das „Angebot“ digitale-schulbücher.de sitzt mir immer noch in den Knochen. Abseits aller Argumente für freie Lern- und Lehrmaterialien haben wir es hier doch mit wirtschaftlichen Interessen zu tun. Der Verband Bildungsmedien versucht, wenn ich digitale Schulbücher nutzen möchte, mir dafür eine jährliche Lizenzgebühr aus dem Kreuz zu drücken.

Gut, 8 – 13 Euro pro Jahr sind fast geschenkt, für zwei oder drei Fächer in der üblichen Lehrergehaltsklasse wahrscheinlich sowieso. Aber darum geht es mir nicht. Mein Schulträger ist verpflichtet, mir das eingeführte Arbeitsmaterial zu stellen, eben auch meine Bücher. Was da an Lizenzgebühren  zusammenkommt, kann man ja mal grob überschlagen:

Im Jahr 2011 gab es in RLP 36.174 Lehrerinnen und Lehrer. Gehen wir mal davon aus, dass jeder von denen 2 Fächer unterrichtet, na gut, Grundschullehrer/innen, Menschen mit drei Fächern, Fachfremde Musik- und Kunstlehrer, Sportlehrerinnen….. von mir aus also 2,5 Fächer.

Nach meiner Recherche fallen pro Jahreslizenz etwa 10 Euro an.

Daraus ergibt sich: 36174 Lehrer * 2,5 Fächer * 10 Euro = 904.350 €

Machen wir ne Runde Summe draus, oben haben wir auch mehrfach gerundet. Dann bleiben pro Jahr immer noch 0,9 Mio. € an Lizenzkosten für Lehrerbücher. (Die Buchgutscheine für einkommensschwache Familien hab ich einfach mal raus gelassen. Da kann gern mal jemand nachrechnen. Vielleicht liest ja auch ein interessierter Elter (cooles Wort aus der Genetik, gell…) mit und rechnet mal nach.)

Selbst bei einem höheren Preis gedruckter Bücher (bei Bio- und Chemiebüchern bewegen wir uns im Rahmen zwischen 30 und 40 Euro), werden diese oft über mehrere Jahre genutzt. Mittelstufenbücher am G9 für 4 Jahre, Oberstufenbücher für drei Jahre. Von meiner eigenen Schule weiß ich, dass Bücher gern gebraucht weiter verkauft werden, selbst in Zeiten der Schulbuchausleihe.

Für mich sieht dieses Lizenzmodell sehr danach aus, als versuchen sich die wenigen verbliebenen Schulbuchverlage noch einmal die Taschen zu füllen, der Staat zahlt ja bereitwillig. (Ja, ich weiß, es gibt auch Gründe für das Lizenzmodell, man denke nur an Arbeitshefte in Fremdsprachen…)

Ich hab gestern lange hin und her überlegt, heute in der Schule auch mal das Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen gesucht (dabei mal wieder festgestellt, dass ich Außenseiter und Nerd bin ;))und war gegen Feierabend dann doch einigermaßen ratlos – wie gestern auch schon.

 

Kurzentschlossen habe ich also eine Petition beim rheinland-pfälzischen Landtag eingereicht, sich beim Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz gegen eine Zulassung dieser Medien einzusetzen. Die Argumentation habe ich dabei vornehmlich auf die wirtschaftlichen Aspekte ausgelegt. Damit stoße ich hoffetlich eher auf offene Ohren als mit „ideologischen“ und pädagogischen Argumenten.

Für diejenigen die es interessiert: Die Petition ist öffentlich. Einen entsprechenden Link werde ich nachreichen, sobald eine Nachricht an mich erfolgt ist.

Pädagogische Grüße

Herr Lehrkraft

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