Teamplayer – Gedanken zu Herrn Larbigs Nachlese zur Didacta 2013

Wer @herrlarbig auf Twitter am Wochenende folgte, konnte es bereits erahnen: Das Interesse an digitalen Lernmaterialien und E-Learning auf der Didacta scheint auch in diesem Jahr nur wieder eine Randerscheinung zu sein. Mit Blick in das Feldwaldundwiesengymnasium an dem ich tätig bin überrascht mich das nicht. Papier regiert die Welt und der Kopierer ist der Lehrkraft bester Freund. Experimentierfreudige zeigen am Whiteboard einen Film, und der Laptopwagen steht ja auch noch irgendwo herum. Aber das ist nicht der Punkt.

Folgende Aussage im sehr lesenswerten Artikel ließ mich stutzen. Herr Larbig schreibt:

„Die Möglichkeiten des Internets für das Lernen, die Vernetzung von Lehrern und die digitale Schulentwicklung, das alles scheint die Besucher am Messesamstag kaum zu interessieren.“

Ja, verdammt, er hat Recht.

Wenige Absätze weiter bemängelt der Autor das Fehlen solcher Vernetzungsmöglichkeiten von Verlagsseite. Ja, verdammt, Herr Larbig hat wieder Recht. (Auf das Kreislaufspielchen, dass der Kunde solch ein Produkt nicht nachfragt und deshalb ja nichts produziert wird, das eventuell nachgefragt werden könnte, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen.)

Herr Larbig liegt absolut richtig, wenn er diese Missstände beobachtet und anprangert. Allerdings würde ich mit der Suche nach Ursachen für den mangelnden Vernetzungswillen von Lehrerinnen und Lehrern früher und an anderer Stelle anfangen, als erst bei digitalen Lernmaterialien:

(Nur dass wir uns verstehen, die folgenden Eindrücke sind höchst subjektiv und nicht wissenschaftlich fundiert. Es handelt sich lediglich um meine eigenen Beobachtungen, die aber vielleicht der ein oder andere von euch auch schon gemacht hat.)

Begonnen hat der ganze Spaß im Referendariat. Zu einer Zeit eingestellt, als Biolehrer keine wirkliche Rarität waren, wurde uns in der Ausbildung schnell klar gemacht, dass nur die besten von uns eine Chance haben. Unsere Reaktion war klar: Die besten Materialien und Ideen behielt jeder für sich um damit beim Fachleiter glänzen zu können. (Von ein paar wenigen Alibimaterialbörsen mal abgesehen.)

Kurzum, wir erhielten eine klassische Einzelkämpferausbildung. Dummerweise gefiel mir das schon damals nicht besonders, und ich hing dem Traum nach, dass das mit der Kooperation schon klappen würde, wenn die Sache mit den Examensnoten vorbei ist und die Planstelle in trockenen Tüchern ist.

Weit gefehlt! Sehr weit!

Auch jetzt, nach mehr als 10 Jahren im Dienst, darf ich feststellen, dass ein nicht geringer Teil meiner Kollegen und Kolleginnen sich nur dann wirklich sicher fühlt, wenn die Klassenzimmertüre geschlossen und alles unter Kontrolle ist. In meinem Klassenzimmer bin ich Herr und Meister, und da funkt mir keiner rein.

Austausch unter Lehrkräften findet da oftmals nur in Form pädagogischer und didaktischer Schwanzlängenvergleiche statt. (man entschuldige mir an dieser Stelle den Kraftausdruck) Ein echter Austausch ist unerwünscht, weil man selber ja die Weisheit mit Löffeln gefressen hat.

Dummerweise ist dieses Verhaltensmuster auch nicht wirklich einer Altersgruppe zuzuordnen. Wie auch, wenn in unseren Seminaren weiterhin Einzelkämpfer statt starker Persönlichkeiten ausgebildet werden.

(Ich bin mir bewusst, dass die letzten Sätze nach Rundumschlag, Wut und Abrechnung klingen. Vielleicht ist da sogar ein wenig dran. Aber lieber Leser, liebe Leserin, die sie bis hierhin durchgehalten haben – auch ich kenne die Kollegen und Kolleginnen mit denen man Pferde stehlen kann. Und jeder einzelne davon ist mir lieb und teuer!)

Wie können wir also stärkere Vernetzung von Lehrern erwarten?

Von oben, aus den Ministerien? Nicht wirklich.

Von den Kollegen die vernetzungswillig sind? Schon eher, zumindest, wenn man die ein oder andere blutige Nase in Kauf nimmt. Dummerweise neigt der Einzelkämpfer nämlich gern dazu, Kooperationsangebote als fachwissenschafltiche Schwäche seines Gegenübers auszulegen (zumindest an Gymnasien)

Bleibt also die Vernetzung von unten, durch die Seminare, durch neue Referendare. Erst wenn hier von Ausbildern und Fachleitern ein neues Verständnis des Lehrerberufs als Teamspieler vermittelt wird, erst dann werden mehr und mehr Klassenzimmertüren aufgehen. Ob diese Türen dann analog oder digital aufgehen, ist erst einmal zweitrangig. Dummerweise sind wir mit der Hoffnung auf die Veränderung von unten auch schon wieder bei der Veränderung von oben, oder wer sucht bei euch die Fachleiter aus…

Ich hasse ein klassisches Dilemma. Aber wie sagte weiland schon Lord Robert Baden-Powell: Hat man den Willen zu etwas, gelingt es auch, gleich, was einem im Wege steht.

In diesem Sinne

Euer Herr Lehrkraft

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